(06.05.2011)
Ärztekammerpräsident Jonitz: Mehr Geld alleine reicht nicht aus! Land Berlin darf sich nicht aus seiner Verantwortung verabschieden.
Die Ärztekammer Berlin begrüßt grundsätzlich den Vorstoß des Bundes, die Charité
in seine Verantwortung zu übernehmen. "Mehr Geld und ein Trägerwechsel sind ein
wichtiger Schritt, um die Patientenversorgung, die Forschung und die Lehre
umfassend zu verbessern und zukunftssicher zu machen", betonte Kammerpräsident
Dr. med. Günther Jonitz, "es muss jedoch gleichzeitig die Chance genutzt werden,
die Universitätsmedizin grundlegend aufzuwerten." Jonitz warnte zudem davor,
dass sich der Berliner Senat vollständig aus seiner Verantwortung für die
Charité verabschiedet: "Mit einer Politik, die sich nicht um die Inhalte
kümmert, muss Schluss sein. Die Politik muss sich überlegen, was ihr die Medizin
in Berlin wert ist. Und dementsprechend auch handeln."
Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Harald Mau, ehemaliger Charité-Dekan,
verbindet mit einem Wechsel unter Bundesverantwortung die Hoffnung, dass die
Charité endlich aus dem "lokalpolitischen Gezänk" herausgenommen werde. Dadurch,
dass die Universitätsmedizin über Jahrzehnte Spielball von Lokalpolitikern war,
hätten sich "gigantische Investitionsdefizite" aufgehäuft, die umgehend abgebaut
werden müssten. Nach Ansicht von Mau wird der Bund ganz andere Erwartungen an
die Charité als Wissenschafts- und Forschungsstandort mit bundesweiter
Strahlkraft haben, da nicht mehr Gewinnerwartungen im Vordergrund stünden.
Insbesondere im Bereich der Lehre sieht Mau die Chance, dass die exzellenten
Beispiele, die an der Charité entwickelt worden sind (Stichwort
Reformstudiengang), zu neuem Leben erweckt werden. "Aktuell wird dies nur
halbherzig getan, da die Lehre finanziell vollkommen unzureichend ausgestattet
ist", beklagte Mau.
Vorstandsmitglied Dr. med. Kilian Tegethoff forderte darüber hinaus eine
größere Politikferne der künftigen Charité-Führung. "Die Vergangenheit hat
gezeigt, dass es wenig sinnvoll ist, wenn alle möglichen Landespolitiker mit
mehr oder weniger Sachverstand in die Leitung der Charité hineinregieren. Dieser
Fehler darf sich bei der künftigen Führung nicht wiederholen", erklärte
Tegethoff und ergänzte, dass er sich eine Stiftungsuniversität vorstellen könne,
die primär von Experten geführt wird. Gleichzeitig sieht Tegethoff den
Fusionsprozess der verschiedenen Charité-Standorte noch nicht abgeschlossen.
Dieser Prozess könnte durch kluge und gezielte Investitionen stark vorangebracht
werden.
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