(21.09.2010)
Berliner Herzinfarktregister feiert zehnjähriges Bestehen
Seit zehn Jahren ist die Versorgung von Berliner Herzinfarktpatientinnen und
-patienten kontinuierlich verbessert worden. Durch die Arbeit der im Berliner
Herzinfarktregister (BHIR) organisierten Kliniken konnte die Sterblichkeit
dieser Patienten von 12,2% in den Jahren 2000/2001 auf 6,2% in 2007/2008 gesenkt
werden. "Dieses außergewöhnliche Engagement der Berliner Kardiologen für
Qualitätssicherung hat die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität nachweislich
verbessert", erklärte der BHIR-Vorsitzende Professor Dr. med. Heinz Theres
anlässlich des am Montag gefeierten zehnjährigen Bestehens. Der Präsident der
Ärztekammer Berlin, Dr. med. Günther Jonitz, der das BHIR seit seiner Gründung
umfassend unterstützt, ergänzte: "Das Herzinfarktregister ist ein Paradebeispiel
dafür, wie durch Zusammenarbeit und strukturiertes Lernen aus dem Alltag die
Patientenversorgung systematisch verbessert werden kann. Durch dieses
systematische Bewerten der im Rahmen des BHIR gesammelten Daten lernen die
Berliner Kardiologen kollektiv." Dies sei umso bemerkenswerter, da es sich beim
BHIR um ein freiwilliges Forum handele, wo sich Kolleginnen und Kollegen offen
austauschten, die sich sonst eher als Konkurrenten sähen, fügte Theres hinzu.
Im BHIR wurden seit seiner Gründung die Daten zur stationären Therapie von
inzwischen mehr als 20.000 Herzinfarktpatientinnen und -patienten gesammelt und
gemeinsam ausgewertet. 23 Berliner Kliniken, die sich über das ganze Stadtgebiet
verteilen, nehmen in der nunmehr dritten
Erhebungsphase teil. Mit Hilfe der Daten werden Versorgungsabläufe dokumentiert
und qualitätssichernde Elemente in den Klinikalltag eingeführt. Dabei steht der
Nutzen einer Therapie für den Patienten im Vordergrund. "Die notärztliche
Erstversorgung und die stationäre Versorgung spielen eine herausragende Rolle,
da es sich beim akuten Herzinfarkt um einen stationär zu behandelnden Notfall
handelt", erklärte Dr. med. Birga Maier, Leiterin der an der TU Berlin
beheimateten wissenschaftlichen Dokumentationsstelle des BHIR.
Die gute Versorgung von Herzinfarktpatienten in Berlin lässt sich an 3 Faktoren
festmachen:
Flächendeckende Versorgung (Strukturqualität)
Berlin bietet aktuell eine beeindruckende, flächendeckende Infrastruktur zur
stationären Behandlung von Herzinfarktpatienten (Stand Sept. 2010):
- 37 Kliniken mit Akutversorgung von Herzinfarktpatienten,
- 18 Notarzteinsatzfahrzeugstützpunkte, davon 15 Standorte an Kliniken,
- 20 Kliniken mit Kathetermessplätzen (inkl. DHZB)
Leitliniengerechte Versorgung (Prozessqualität)
Für die Behandlung von Herzinfarktpatienten (ST-Hebungsinfarkte)
existieren seit Ende 2000 international akzeptierte Leitlinien, anhand derer die
Qualität der Versorgung gemessen werden kann. Diese werden in den Berliner
Kliniken umgesetzt. Zu den Leitlinien bei Infarkt mit ST-Hebung im EKG gehört
die Wiedereröffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, die in Berlin
inzwischen zu 88% praktiziert wird, wobei ein großer Teil der verbleibenden
Patienten entweder die Behandlung aus Altersgründen abgelehnt hat oder
medizinische Kontraindikationen zeigte. Zweiter Baustein ist eine Begleit- und
Entlassungsmedikation mit bis zu 4 Medikamentensubstanzgruppen, die über 85% der
Patienten bei Entlassung verabreicht wurde.
Sinkende
Krankenhaussterblichkeit (Ergebnisqualität)
In den am BHIR teilnehmenden Kliniken ist die Krankenhaussterblichkeit am
Herzinfarkt in den vergangenen Jahren kontinuierlich von 12,2% (1999/2000) auf
6,2% (2007/2008) gesunken. Für Hochrisikogruppen (z.B. ältere Patienten,
Patienten mit Diabetes mellitus, Patienten im Schock bei Klinikaufnahme), die
von der leitliniengerechten Therapie am meisten profitieren, bei denen die
Eingriffe gleichzeitig aber auch am riskantesten sind, ist der Rückgang der
Sterblichkeit noch beeindruckender: So ging bei Patienten über 80 Jahren die
Krankenhaussterblichkeit von 30,7% (1999/2000) auf 15,0% (2007/2008) zurück.
Weitere Informationen unter:
www.herzinfarktregister.de
ÄRZTEKAMMER BERLIN
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