(23.03.2010)
Ärztekammer Berlin verleiht Hertha-Nathorff-Preis
Drei Preisträger teilen sich in diesem Jahr den Hertha Nathorff-Preis. Bereits
seit 1995 zeichnet die Ärztekammer Berlin damit jährlich die besten Berliner
Magisterarbeiten im Bereich Public Health aus. Der mit 2500 Euro dotierte Preis
ist nach der jüdischen Ärztin Hertha Nathorff benannt, die in den 30er Jahren
von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und in die USA emigirierte. Zwei
Preisträger-Arbeiten wählte eine unabhängige Jury aus den 25 höchstbenoteten
Magisterarbeiten aus, die in den drei gesundheitswissenschaftlichen
Aufbaustudiengängen Berlins* im Wintersemester abgegeben wurden. Folgende
Preisträger wurden am Freitag, dem 19.03.2010, auf einer feierlichen
Veranstaltung an der Charité ausgezeichnet. Aufgrund der hohen
Qualitätsanforderungen an den Preis entschied sich die Jury in diesem Jahr
erstmals dazu, keinen 1. Preis zu vergeben.
2. Preis (1000 €)
Alexandra Mallickh (MPH, Diplom-Soziologin)
Rico Urbschat (MPH, Diplom Pädagoge)
Die psychosoziale Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Berlin:
Aspekte von Über-, Unter- und Fehlversorgung
Der Rückbau von Stellen und die finanziellen Engpässe in der Kinder- und
Jugendhilfe Berlins zeichnen mitverantwortlich für eine zunehmende
Psychiatrisierung und Medikalisierung von Störungen bei Kindern und
Jugendlichen. Durch frühzeitige Hilfen und ambulante Angebote könnte man den
betroffenen Kindern besser helfen. So eines der wichtigsten Ergebnisse einer
Expertenbefragung von Alexandra Mallickh und Rico Urbschat in ihrer gemeinsamen
Masterarbeit an der Berlin School of Public Health. In Interviews mit Experten
vorrangig aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und
Schule wurden deren Einschätzungen zur Frage der bedarfsgerechten psychosozialen
Versorgung in Berlin erfragt. Neben dem geschilderten Ergebnis wurde von den
Befragten eine in Berlin noch vergleichsweise gute Versorgungslage konstatiert.
Allerdings sind bestimmte Problemgruppen, wie etwa Kinder aus sozial
benachteiligten Familien, als auch bestimmte Stadtteile mit eher niedrigem
Sozialindex eher von Unterversorgung betroffen. Angeregt wurde von den Experten
eine verbesserte Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen, die vor allem
darauf hinwirken müsse, dass Probleme der Über-, Unter- oder Fehlversorgung
frühzeitig entgegen gewirkt werden könne. Ausgang der Befragung waren Ergebnisse
bundesweiter Studien (vor allem des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys und der
BELLA-Studie von 2007), wonach bei mehr als 20 % aller Kinder und Jugendlichen
in Deutschland Hinweise auf psychische Auffälligkeiten vorliegen. Darüber hinaus
besteht bei etwas 6 % der unter 18-jährigen eine dringliche klinische
Behandlungsbedürftigkeit.
3. Preis (500 €)
Astrid Johnsson, (MPH, Apothekerin)
Mortalität durch Arzneimittel - Systematischer Review zur Häufigkeit
von
arzneimittelbedingten Todesfällen
Wie viele Todesfälle lassen sich auf die Einnahme von Arzneimitteln zurückführen?
Dieser Frage ist Astrid Johnsson in ihrer Master-Arbeit an der Berlin School of
Public Health nachgegangen. Auf der Basis einer Literaturanalyse in die
insgesamt 69 Artikel bzw. 45 internationale Studien eingeschlossen sind, schätzt
die Absolventin, dass sich in Deutschland jährlich zwischen 6.000 und 24.000
Todesfälle auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder fehlerhafte
Arzneimitteleinnahmen zurückführen lassen. Da für Deutschland jedoch kaum
Studien zur Verfügung stehen, handelt es sich hier um eine Hochrechnung, die
sich notgedrungen nur auf eine dünne Datenlage stützen kann. In ihrem
systematischen Review enthalten sind Arbeiten zu arzneimittelbedingten
Todesfällen im Stationären Bereich, zur Auswertung von Totenscheinen sowie zur
Meldung tödlicher unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei der
Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft.
In ihrer Hochrechnung hat Johnsson nicht unterschieden, ob die Todesfälle auf
einen unsachgemäßen Umgang mit den Arzneimitteln durch die Patienten, eine
unsachgemäße Anamnese durch die verschreibenden Ärzte (und dadurch verursachte
unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) oder durch unerwünschte
Arzneimittelwirkungen an sich zurückzuführen sind. Der Autorin ist dies bewusst,
die Zahlen werden in ihrer Arbeit selbst kritisch kommentiert.

(2. Preis) Alexandra Mallickh und Rico Urbschat, Dr. med. Günther Jonitz
(Präsident der Ärztekammer Berlin, (3. Preis) Astrid Johnsson, (v.re.n.li.);
(Foto: ÄKB).
Weitere Informationen:
ÄRZTEKAMMER BERLIN
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Pressestelle -
Sybille Golkowski (Stellv. Pressesprecherin)
Tel. 030/ 40 80 6-4100/-4101/-4102
E-Mail:
presse@aerztekammer-berlin.
*) "Master of Public
Health" (MPH) und "Master of Science on Epidemiology" (MSc) an der Berlin School
of Public Health/ Charité sowie "Master of Public Health - Psychosoziale
Prävention und Gesundheitsförderung" an der FU Berlin.