(01.07.2009)
Kammerpräsident warnt vor Gefährdung der Patientensicherheit durch Aktionismus
Die Ärztekammer Berlin warnt vor staatlich verordneten
Fehlermeldesystemen im Gesundheitswesen. "Von oben installierte Kontroll-
und Sanktionssysteme beschädigen eine von allen Beteiligten gemeinsam getragene
Sicherheitskultur", erklärte Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz mit Blick
auf das am Dienstag in Berlin vorgestellte Eckpunktepapier einer Arbeitsgruppe
der SPD-Bundestagsfraktion zu einem Patientenrechtegesetz. "Das Papier setzt
einseitig auf Zwangsmaßnahmen, Kontrolle und Sanktionen und vernachlässigt die
gemeinsame Verantwortung für die Patientenversorgung. Eine von Misstrauen
gegenüber Ärztinnen und Ärzten geprägte politische
Initiative wirkt sich nachteilig auf die Stärkung der Sicherheitskultur aus und
ignoriert die umfangreichen guten Erfahrungen, die in Deutschland im Bereich
Patientensicherheit bereits vorliegen", kritisierte Jonitz.
Patientensicherheit ist ein zentrales Anliegen aller Beteiligten im
Gesundheitswesen. "Die bisher geleistete Aufbauarbeit in Deutschland ist
international vorbildlich. Sie setzt auf Zusammenarbeit, Vertrauen und
konstruktive Lösungsansätze. Das von zahlreichen Institutionen geförderte
Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) beispielsweise stellt einen der
Garanten für das Gelingen unterschiedlichster Aktivitäten zur Verbesserung der
Patientensicherheit in Deutschland dar", betonte der Kammerpräsident, der auch
APS-Vorsitzender ist.
"Ein verpflichtendes Fehlermeldesystem wird hingegen dazu führen,
Alibiprojekte durchzuführen und bereits bestehende Projekte zu untergraben",
warnte Jonitz. Es existieren bereits nationale
Fehlerlernsysteme (www.cirsmedical.de,
www.jeder-fehler-zaehlt.de) und
mehrere beispielhafte Projekte einzelner Regionen (CIRS Berlin), Krankenhausträger oder
Fachgesellschaften. In knapp einem Drittel aller deutschen Krankenhäuser gibt es
ein internes Fehlerlernsystem. Demnächst geht eine deutschlandweite Kooperation
aller Betreiber von Fehlerlernsystemen (CIRS = Critical Incident Reporting
Systems) an den Start. Erfahrungen auf nationaler als auch auf internationaler
Ebene zeigen deutlich, dass Fehlermeldesysteme dann zum Erfolg führen, wenn ein
spürbarer Nutzen erfolgt. Dieser Nutzen besteht in der konkreten Verbesserung
der Patientenversorgung. "Verpflichtende Systeme werden nur dazu führen, dass
weniger oder gar nicht berichtet wird", kritisierte der Kammerpräsident.
Patientenrechte in Deutschland zu realisieren, ist
aus Sicht der Ärztekammer Berlin weniger eine Frage der Ausweitung von
gesetzgeberischen Maßnahmen. Vielmehr komme es darauf an, die bestehenden
zahlreichen Aktivitäten - zum Beispiel auf dem Gebiet der Patienteninformation (www.patienten-information.de)
- differenziert zu betrachten, Erfolgsfaktoren, Hindernisse und Handlungsbedarf
zu identifizieren und daran anknüpfend konkrete Maßnahmen zur Steigerung der
Patientensicherheit aktiv zu unterstützen, erklärte Jonitz.
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