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Berlins beste Abschlussarbeiten in Public Health ausgezeichnet

(23.03.2009)  Ärztekammer Berlin verleiht Hertha-Nathorff-Preis

Bereits seit 1995 zeichnet die Ärztekammer Berlin jährlich mit dem Hertha-Nathorff-Preis die besten Berliner Magisterarbeiten im Bereich der Public Health aus. Der mit 2500 Euro dotierte Preis ist nach der jüdischen Ärztin Hertha Nathorff benannt, die in den 30er Jahren von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und in die USA emigirierte. Vier Preisträger-Arbeiten wählte eine unabhängige Jury aus 25 Magisterarbeiten aus, die in drei an der Berlin School of Public Health und an der FU Berlin angesiedelten gesundheitswissenschaftlichen Aufbaustudiengängen* im Wintersemester abgegeben wurden. Folgende Preisträger wurden am Freitag, den 20.3.2009, auf einer feierlichen Veranstaltung an der Charité ausgezeichnet:

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Preisträgerinnen: Daniela Gohl, Uta-Maria Weissleder, Elvira Mauz und
Laudator Dr. med. Matthias Albrecht (Vorstandsmitglied der ÄKB) (v.li.n.re.)

1. Preis (1000 €)

Elvira Mauz (MPH, Diplom-Psychologin)
Psychische Störungen und soziale Ungleichheit im Geburtskohortenvergleich

Je später Menschen in Deutschland geboren wurden, um so höher liegt ihr Risiko, eine psychische Störung zu erleiden. Auf diesen Zusammenhang stieß Elvira Mauz beim Vergleich dreier Alterskohorten aus dem Bundesgesundheitssurvey von 1998. Wobei bei Frauen das Risiko in allen untersuchten Altersgruppen jeweils nahezu doppelt so hoch ist wie bei Männern.

Ein Ergebnis, das auch Studien aus anderen Ländern, zum Beispiel den USA, bestätigen. Neben dem grundsätzlichen psychischen Erkrankungsrisiko in verschiedenen Altersgruppen untersuchte Mauz ferner den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und psychischen Störungen.
Dieser gestaltet sich nach Geschlecht, Geburtskohorte und Diagnose höchst unterschiedlich. So fand Elvira Mauz zum Beispiel bei der jüngsten Alterskohorte (geboren nach 1968) - vor allem bei Männern - einen besonders ausgeprägten Zusammenhang zwischen niedriger Bildung und psychischer Störung (der allerdings in den anderen Alterskohorten und auch bei Frauen in dieser Form nicht zu finden war). Die Public-Health-Absolventin lieferte mit ihrer Arbeit die erste geschlechts- und generationenspezifische Untersuchung zum Zusammenhang von sozialer Lage und psychischer Krankheit in Deutschland.  

2. Preis (500 €)

Uta-Maria Weissleder (MPH, Juristin)
Beiträge unternehmenszentrierter Netzwerke zur Überwindung der Umsetzungshindernisse betrieblicher Gesundheitsförderung in Klein- und Mittelunternehmen

Damit kleine und mittlere Unternehmen es leichter haben, für ihre Mitarbeiter trotz knapper Ressourcen ein betriebliches Gesundheitsmanagement zu betreiben, bieten Krankenkassen ihnen seit einigen Jahren unterstützende Netzwerke an. Am Beispiel des Netzwerks KMU-Kompetenz der AOK Niedersachsen untersuchte Uta-Maria Weissleder sieben daran beteiligte Betriebe. In leitfadengestützen Telefoninterviews befragte sie die Personalverantwortlichen der Unternehmen zu ihren Erfahrungen.

Es zeigte sich, dass die Befragten Unternehmen von den Netzwerken außerordentlich profitieren. Sie rechnen mit einem wachsenden   Bedarf an betrieblicher Gesundheitsförderung. Als Gründe hierfür wurden die Folgen des demographischen Wandels und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit angegeben. Das lange Verbleiben auch älterer Mitarbeiter in den Betrieben, aber auch eine zunehmende Arbeitsverdichtung erfordert verstärkte Hilfen bei Arbeitsplatzgestaltung und innerbetrieblicher Zusammenarbeit. Sie erlangen neben den klassischen Maßnahmen wie Kursen zur Raucherentwöhnung, Rückenschulen oder  Ernährung zunehmende Bedeutung. 

2. Preis (500 €)

Dr. med. Felix Holzinger (MPH, Arzt)
Kosteneffektivität multifaktorieller Interventionen zur Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in den Industrienationen zu den am häufigsten vorkommenden Krankheiten und Todesursachen. Da viele bedeutsame Risikofaktoren hierfür vermeidbar sind oder durch eine Änderung des Lebensstils beeinflusst werden können (z.B. Rauchen, Übergewicht, Bewegung) besteht ein enormes Potential für Präventionsmaßnahmen. Doch stehen die hierfür eingesetzten Mittel in einem angemessenen Verhältnis zum erzielten Effekt? Sind diese Maßnahmen wirtschaftlich? Und wo sind sie besser angesiedelt: in betrieblichen Präventionsprogrammen oder im außerbetrieblichen Umfeld?

Um diese Fragen zu beantworten, unterzog Felix Holzinger insgesamt 50 Studien zum Thema einer kritischen Analyse. Ausgewählt hatte er sie nach umfassender Datenbankrecherche und Durchsicht der Abstracts von 3007 potentiell relevante Studien sowie über 300 weiteren Publikationen. Holzingers ernüchterndes Fazit: Eine Beantwortung seiner Forschungsfrage ist mit der verfügbaren Literatur derzeit nicht möglich. In Bezug auf das Kriterium "Kosteneffektivität" ist die Datenlage der meisten Studien so uneinheitlich, uneindeutig und unvollständig, dass keine fundierten Aussagen möglich sind.

3. Preis (500 €) Daniela Gohl (MPH)

Subjectively perceived barriers and resources for diabetes self-management by participants of a peer education Project in Cambodia

Daniela Gohl untersuchte in ihrer Arbeit die Hindernisse und Ressourcen für ein Diabetes-Selbstmanagement aus der Sicht der Teilnehmer eines Peer-Educations-Projektes (Gesundheitstraining für Angehörige einer ausgewählten sozialen Gruppe) in Kambodscha. Das Land weist wie viele Entwicklungsländer eine steigende Rate an Diabetikern auf. Vor allem Menschen in sozial schlechter gestellten Positionen und Bewohner ländlicher Gebiete haben einen erschwerten Zugang zu einer regelmäßigen Diabetesversorgung. Ihr Risiko, Begleiterkrankungen zu erleiden und aufgrund der Behandlungskosten weiter in die Armut abzurutschen ist groß. Ein Selbstmanagement ist für diese Menschen entscheidend, um Komplikationen vorzubeugen. Hierzu gehört beispielsweise eine  selbstverantwortliche regelmäßige und richtig dosierte Medikamenteneinnahme (so verfügbar),  regelmäßige Urin-Kontrollen, eine gesunde Ernährung und  Bewegung.

Daniela Gohl interviewte für ihre Arbeit 10 Teilnehmer eines Peer-Educations-Projektes in den Armenvierteln Kambodschas. Sie fand verschiedenste Faktoren, wie Wohnverhältnisse, Arbeitszeiten, Zugang zu bestimmten Lebensmitteln über Freunde und Familie, religiöse wie soziale Komponenten, die sehr unterschiedlichen Einfluss auf den Erfolg eines Selbstmanagements der Krankheit haben können. Die Arbeit gibt Auskunft, auf welche Komponenten - auch im Zusammenspiel - in Educations-Projekten künftig geachtet werden muss, um den Erfolg eines Selbstmanagements so weit wie möglich zu gewährleisten.

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*) "Master of Public Health" (MPH) und "Master of Science on Epidemiology" (MSc) an der Berlin School of Public Health/ Charité (der MPH war bis 2006 an der TU Berlin angesiedelt).
"Master of Public Health - Psychosoziale Prävention und Gesundheitsförderung" an der FU Berlin.

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