Ärztekammer Berlin fordert Dokumentation von Überstunden
(01.12.2005)
Ärztinnen und Ärzte an der Charité leisten 85.000 Überstunden monatlich, die
nicht dokumentiert werden
Die Ärztekammer Berlin verlangt eine sofortige Dokumentation von Überstunden
an der Charité. Angesichts der "Unkenntnis" führender Vertreter Berlins in den
Aufsichtsgremien der Charité und bei Vivantes hat der Präsident der Ärztekammer
Berlin, Dr. med. Günther Jonitz, den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit
(SPD) aufgefordert, der gesetzlichen Pflicht als Arbeitgeber nachzukommen, die
über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Arbeitszeit der Arbeitnehmer
aufzeichnen zu lassen (§16 Absatz 2 Arbeitzeitgesetz).
Hintergrund ist, dass Finanzsenator Dr. Thilo Sarrazin (SPD) am Dienstagabend
öffentlich geäußert hat, ihm sei vom Charité-Vorstand mitgeteilt worden, es gebe
an der Universitätsklinik keine dokumentierten Überstunden. Er als
Aufsichtsratsmitglied der Charité verlasse sich auf die Angaben des Vorstandes
und fühle sich daher nicht verpflichtet, dem weiter nachzugehen.
"Angesichts von rund 85.000 Überstunden monatlich an der Charité kann es
nicht mehr hingenommen werden, dass die Verantwortlichen für die
Universitätsklinik und die ehemaligen städtischen Krankenhäuser ihren Kopf in
den Sand stecken und bestehende gravierende Missstände zu Lasten der
Patientenversorgung ignoriert werden", betont Jonitz. Mit Blick auf die
katastrophale Lage an der Charité gehe es nicht an, dass der Aufsichtsrat dem
Vorstand den Schwarzen Peter zuschiebt.