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Ärztekammer Berlin warnt vor Einsatz von Anästhesieassistenten

(29.09.2005)  Ärztekammer, Fach- und Pflegeverbände sind sich einig: Patientensicherheit steht auf dem Spiel

In Zeiten zunehmender Ökonomisierung denken einige Krankenhausbetreiber verstärkt über die Verlagerung ärztlicher Tätigkeiten auf Assistenzpersonal nach. Besonders weit gediehen ist die Weiterqualifizierung von Krankenpflegepersonal zu so genannten Medizinischen Assistenten für Anästhesiologie (MAFA), die seit einigen Monaten auch in Berlin von einem privaten Klinikkonzern eingesetzt werden. Ärzteschaft und Fachverbände sehen den Einsatz solcher Anästhesieassistenten mit großer Sorge. In einer Gemeinsamen Erklärung warnen deshalb die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin sowie die Landesverbände des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) vor den möglichen negativen Folgen für Patienten, Ärzte und Pflegepersonal. Ärztekammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz befürchtet, dass "Behelfslösungen zu einem neuen Standard gemacht werden sollen".

Einig sind sich Ärztekammer, Fach- und Pflegeverbände, dass mit dem Einsatz von Anästhesieassistenten die Patientensicherheit auf dem Spiel steht. Zwar sind Narkosen heutzutage in der Regel sehr sicher. Doch beim Auftreten von Problemen, wie beispielsweise einem plötzlichen Blutdruckabfall während der Operation, ist schnelles und medizinisch fundiertes Handeln erforderlich. Dies könnten Anästhesieassistenten aber nicht leisten, da ihnen die Kenntnisse der medizinischen Zusammenhänge fehlten, kritisiert Jonitz. Der vom Gesetzgeber vorgegebene fachärztliche Standard wird somit ausgehöhlt. Ungeklärt ist aus Sicht der Ärztekammer Berlin darüber hinaus die haftungs- und strafrechtliche Situation im Falle von Komplikationen bei der Narkose. Den Anästhesieassistenten droht ein so genanntes Übernahmeverschulden, wenn es bei einer von ihnen überwachten Narkose zu Fehlern kommen sollte. Gleichzeitig bestehen für den Ober- oder Chefarzt, der den Assistenten eingeteilt hat, nicht absehbare rechtliche Konsequenzen.

Die Ärztekammer Berlin befürchtet zudem mittelfristig einen Abbau von Facharztstellen in den Kliniken, in denen Anästhesieassistenten eingesetzt werden. Hintergrund für deren Einsatz ist aus Sicht der oben genannten Fachverbände in erster Linie der Kostendruck. Der Wegfall von Facharztstellen bedeutet zugleich eine Einschränkung von Weiterbildungsmöglichkeiten in der Anästhesiologie, das heißt, die Ausbildung von Ärzten zu Fachärzten wird behindert. Die Folgen sind immer weniger fachlich hochqualifizierte Ärzte und immer mehr nichtärztliches Personal. Ärztekammerpräsident Jonitz sieht deshalb im Einsatz von Anästhesieassistenten "einen Dammbruch, der die ureigensten ärztlichen Tätigkeiten betreffen kann". Es bestehe die Gefahr, dass die Krankenhausbetreiber nichtärztliches Personal künftig auch in anderen Bereichen wie der Chirurgie, der Endoskopie und der Urologie einsetzen werden. "Die Qualität der Patientenversorgung stirbt zentimeterweise", warnt Jonitz.


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