(20.06.2001)
Ärztekammer warnt vor Irreführung der Bevölkerung
Die
Brustkrebs-Früherkennung in Form des Mammographie-Screenings wird derzeit
politisch stark gefördert. Begründet wird dies damit, dass durch ein
Mammographie-Screening das Risiko, an Brustkrebs zu sterben um 20 bis 30 %
sinke. Der durch diese oft genannten Prozentzahlen entstehende Eindruck, dass
jede vierte Frau vor einem Tod durch Brustkrebs bewahrt werden kann, ist
allerdings falsch. Die hohen Prozentzahlen beschreiben nämlich nur eine relative
Risikoreduktion, da sie sich lediglich auf die Anzahl der an Brustkrebs
verstorbenen Frauen beziehen. Da erfreulicherweise die meisten Frauen weder an
Brustkrebs erkranken noch daran versterben, ist der Nutzen der Früherkennung für
Frauen ohne besondere Risiken sehr viel geringer. Für diese Frauen reduziert
sich durch ein Screening das Risiko an Brustkrebs zu sterben nur um ca. 0,1 %.
Anders ausgedrückt:
Ohne Screening sterben von 1000 Frauen in 10 Jahren 4 Frauen an Brustkrebs, mit
Screening sterben von 1000 Frauen in 10 Jahren 3 Frauen an Brustkrebs. Das
heißt, von 1000 Frauen mit Mammographie-Screening über zehn Jahre hat 1 Frau
insofern einen Nutzen, so sie in dieser Zeit nicht an Brustkrebs stirbt. Das
bedeutet aber auch: 99,9 % der Frauen haben in dieser Zeit keinen Nutzen durch
ein Mammographie-Screening. Die Früherkennung durch Screening ist darüber
hinaus nicht frei von Nachteilen. Um bei einer Frau den Tod durch Brustkrebs zu
verhindern, müssten 1000 Frauen zehn Jahre lang jedes 2. Jahr zum Röntgen der
Brust. In dieser Zeit wird bei ca. 250 Frauen fälschlicherweise ein Verdacht auf
Brustkrebs geäußert, der in seiner Konsequenz weitere und zum Teil belastende
Untersuchungen nach sich zieht. So werden in Deutschland pro Jahr mehr als
100.000 Frauen an der Brust operiert, obwohl sie keinen Brustkrebs haben.
Welche
gesundheitlichen Schäden durch die Röntgenstrahlung oder durch die psychische
Belastung der Frauen entstehen, wurde bislang nicht untersucht. Eine vorschnelle
und undurchdachte Kampagne für das Mammographie-Screening weckt falsche
Hoffnungen und setzt zahlreiche Frauen der Gefahr einer falschen Diagnose aus.
Dies ist ethisch fragwürdig. Die Ärztekammer Berlin warnt davor, Ängste zu
schüren und falsche Hoffnungen durch eine unkritische und einseitig verzerrte
Widergabe wissenschaftlicher Ergebnisse zur schüren.
Eine absolute
Sicherheit durch Mammographie-Screening gibt es ohnehin nicht. Nur für Frauen
nach den Wechseljahren kann ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening,
kombiniert mit anderen Untersuchungen unter Umständen von Nutzen sein. Der beste
Schutz ist neben einer allgemein gesunden Lebensweise die regelmäßige
Selbstuntersuchung, die gelegentliche ärztliche Untersuchung und vor allem die
schnelle und sachgemäße Abklärung beim Auftreten von Frühsymptomen oder
Tastbefunden auf medizinisch qualitativ höchstem Niveau.
Weitere Informationen:
ÄRZTEKAMMER BERLIN
- Pressestelle -
Sascha Rudat,
Tel. 030 /40 80 6 - 4100
Sybille Golkowski, Tel. 030/ 40 80 6 - 4102
Fax: 030/40 80 6-4199
E-Mail: presse@aekb.de