(21.07.2009)
Gewachsene Sensibilität für das Problem Obdachlosigkeit
Die Obdachlosenpraxen der Kammertochter MUT Gesellschaft für Gesundheit haben am
17. Juni ein doppeltes Jubiläum gefeiert. Seit 15 Jahren gibt es die Arztpraxen
und seit 10 Jahren die Zahnarztpraxen am Ostbahnhof und in Lichtenberg, die von
vielen der rund 7000 Obdachlosen in Berlin genutzt werden. Aus diesem Anlass
hatte die MUT zu einer Feier in ihre Tagesstätte für Obdachlose an den Stralauer
Platz gegenüber des Ostbahnhofs eingeladen. "Dieses Angebot wird von den
obdachlosen Menschen in Berlin gebraucht", unterstrich Dr. med. Dittmar Kruska (li.),
Vorstandsmitglied der Ärztekammer, in seiner Rede. Er dankte den Ärzten,
Zahnärzten, Pflegekräften und Mitarbeitern der MUT, "die durch tatkräftiges und
selbstloses Engagement diese großartige menschliche Hilfe erst möglich gemacht
haben". Kruska sagte mit Blick auf die anwesende Senatorin für Integration,
Arbeit und Soziales, Dr. Heidi Knake-Werner (Linke) (li.), dass in den Praxen und den
Tagesstätten ein großes Stück weit staatliche Aufgaben übernommen wurden. "Der
Staat steht damit also auch in der Verantwortung für diese Projekte", betonte
Kruska. Die Kammer werde ihrer Verantwortung auch weiterhin nachkommen. Dr. med.
Gertrud Gumlich (re.), eine Ärztin der ersten Stunde, ließ in einer anschaulichen Rede
die vergangenen 15 Jahre Revue passieren - von den bescheidenen Anfängen in
einem fensterlosen Raum im Ostbahnhof hin zu zwei Tagesstätten, die wesentlich
mehr bieten als "nur" ärztliche und zahnärztliche Hilfe. Es habe sich viel zum
Positiven gewandelt. Es gebe inzwischen eine gewachsene Sensibilität für das
Problem Obdachlosigkeit. "Arme-Leute-Medizin darf keine schlechte Medizin sein",
hob Gertrud Gumlich hervor.
