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Jonitz: Optimierung statt Dezimierung

(23.06.2009)  Ein kritischer Blick auf das Deutsche Gesundheitswesen

Einen kritischen Blick auf das deutsche Gesundheitswesen hat der Berliner Kammerpräsident Dr. med. Günther Jonitz bei einem Vortrag in der Urania Berlin geworfen. "Der Gesundheitsfonds im Prüfstand. Finanzierung und Versorgung - Wie hängt das zusammen?" lautete am 2. Juni der Titel der Veranstaltung mit anschließender Diskussion vor interessierten Laien und Fachleuten. Jonitz hatte sich die nicht ganz leichte Aufgabe gestellt, einen umfassenden Überblick über den Aufbau des deutschen Gesundheitswesens zu geben. "Wir leben in spannenden Zeiten", sagte der Kammerpräsident zur Einleitung. Auf der einen Seite gebe es immer größere medizinische Fortschritte, auf der anderen Seite würde die Bevölkerung immer älter - bei gleichzeitig immer stärkeren Eingriffen von Seiten der Politik. Anders gesagt: Je erfolgreicher die Medizin ist, umso länger sind die Lebenszeiten der Kranken - mit den damit verbundenen Kosten. Wie Jonitz darlegte, blieb der Anteil des Gesundheitswesens am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den vergangenen Jahrzehnten gleich. Gleichzeitig sank die Lohnquote am BIP kontinuierlich, die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben muss durch stetig steigende Kassenbeiträgen der Krankenversicherten geschlossen werden. "Durch den Gesundheitsfonds sollten die Kassenbeiträge sinken und die Versorgung besser werden", sagte Jonitz, "nichts davon ist eingetreten." Verschärft werden die finanziellen Probleme durch die "Verschiebebahnhöfe" zulasten der GKV in Höhe von 45,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Finanzelle Spielregeln bestimmen das Spiel

Jonitz betonte, dass die finanziellen Spielregeln das Spiel bestimmten und nicht die Spieler. Er führte diese These am Beispiel der DRG-Einführung in den Kliniken aus. Bereits im Jahr 2001 hatte die Ärztekammer Berlin vor den Folgen der DRG für die Patientenversorgung gewarnt. Während andere Länder wie Australien DRG durchaus erfolgreich eingeführt hätten, überwiegen in Deutschland die negativen Folgen. "Ich nenne dies das Stradivari-Phänomen. Mit einer Stradivari kann man die Philharmonie füllen, aber genauso gut auch innerhalb von Minuten leeren." Oder anders ausgedrückt: Während Australien DRG’s partiell zur Optimierung eingeführt habe, gehe es in Deutschland mit der flächendeckenden DRG-Einführung primär um eine Reduktion der Krankenhausbetten, bemängelte der Kammerpräsident.

Mit einem Exkurs in die hochkomplexe Welt des ambulanten Sektors machte Jonitz deutlich, dass nicht die Ärzte die Honorare verteilen. Vielmehr greife der Gesetzgeber massiv in die Angelegenheiten der Selbstverwaltungspartner Ärzte und Krankenkassen ein. "Er betreibt ein ,Schwarze-Peter-Spiel’ und setzt alle Beteiligten unter Druck", kritisierte Jonitz. Durch die Festlegung des einheitlichen Kassenbeitrages bestimme das Bundesgesundheitsministerium einerseits die Geldmenge im System, andererseits behalte es sich durch die Rechtsaufsicht über den Gemeinsamen Bundesausschuss auch eine inhaltliche Hoheit vor.

Die Folgen sind eine immer größere Institutionalisierung und Industrialisierung der Patientenversorgung. Krankenhaus-Multis, Pharmariesen und MVZs würden gestärkt. Das Gesundheitswesen werde zur "Gesundheitswirtschaft". "Wir befinden uns in einem rein ideologisch begründeten Systemwechsel zu einem halbstaatlichen Primärarztsystem", warnte Jonitz. Die Politik setze dabei alleine auf eine Strategie der Dezimierung: Weniger Ärzte, weniger Krankenhäuser, weniger Krankenkassen. Dem setzt Jonitz ein Modell der Optimierung entgegen. "Eine planvolle Umgestaltung im Gesundheitswesen sollte sich in erster Linie an einer Verbesserung für die Patienten orientieren", fasste der Berliner Kammerpräsident zusammen.

Den gesamten Power-Point-Vortag finden Sie hier.

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