Berliner Suchthilfe sichern – Projekte benötigen stabile Finanzierung

Pressemitteilung

Anlässlich des Weltdrogentages am Freitag, dem 26. Juni 2026, fordert die Ärztekammer Berlin, die Suchthilfe in Berlin strukturell zu stärken und niederschwellige Angebote auszubauen.

„Abhängigkeitserkrankungen sind kein Randphänomen mehr, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, erklärt PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin. „Daher fordern wir, die Suchthilfe und -prävention in Berlin zu stärken.“

Im Jahr 2024 erreichte Berlin mit 294 Drogentoten einen neuen Höchststand. Das bedeutet, in der Hauptstadt sterben fast sechs Menschen pro Woche infolge des Konsums illegaler Substanzen wie Heroin, Fentanyl oder synthetischer Opioide. Die Abwasseruntersuchungen in Berlin zeigen, dass besonders der Konsum vermeintlicher „Partydrogen“ wie Ketamin, Speed und Kokain steigt. Auch der rasant steigende Crack-Konsum ist ein großes Problem. Insbesondere junge Menschen sind betroffen. 

Sichere Versorgung benötigt verlässliche Finanzierung

„Unser Hilfesystem ist darauf nicht ausreichend vorbereitet“, betont Bobbert. „Wir haben in Berlin hervorragende Projekte in der Suchthilfe und -prävention. Diese können ihre Arbeit aber nur dann machen, wenn sie nicht bei jeder Haushaltsdebatte um ihre weitere Finanzierung bangen müssen. Gute Versorgung braucht Verlässlichkeit – für die Helfenden genauso wie für die Patient:innen. Kurzfristige und unsichere Projektförderungen werden der Realität chronischer Suchterkrankungen nicht gerecht.“

Zur Verlässlichkeit gehören auch sichere Räume. Substitutionspraxen berichten jedoch immer wieder über Schwierigkeiten, geeignete Mietflächen zu finden. „Hier muss der Senat tätig werden“, fordert Bobbert. Substitution ist Expert:innen zufolge die zentrale Maßnahme, um die Zahl drogenbedingter Todesfälle zu senken. Zudem verringern sie die Beschaffungskriminalität und entlasten auch die Anwohner:innen in den Drogen-Hotspots. 

Mehr Sensibilisierung, weniger Stigmatisierung

„Wir benötigen eine stärkere Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Risiken sowohl illegaler Substanzen als auch legaler Suchtstoffe wie Alkohol und Tabak“, erklärt Dr. med. Matthias Blöchle, Vizepräsident der Ärztekammer Berlin. „Prävention muss dabei schon in der Schule beginnen. Wichtig ist auch die Entstigmatisierung der Themen Sucht und Drogen, damit Betroffene sich rechtzeitig Hilfe suchen.“

Abhängigkeitserkrankungen betreffen etwa jeden zehnten Menschen in Deutschland und sind mit einem erheblichen Leiden für Betroffene und Angehörige verbunden. Sie gehen häufig mit somatischen und psychischen Begleiterkrankungen einher und führen zu einer erhöhten Mortalität. Darüber hinaus haben Suchterkrankungen weitreichende soziale Folgen – für die Betroffenen selbst sowie für ihre Familien.

Beim diesjährigen Deutschen Ärztetag wurden mehrere Anträge zur Stärkung der Suchtmedizin verabschiedet. So haben die Abgeordneten die Bundes- und Landesgesetzgeber aufgefordert, die Rahmenbedingungen für die stationäre Suchtmedizin im Kindes- und Jugendalter so zu gestalten, dass eine bedarfsgerechte und wirtschaftlich tragfähige Versorgung dauerhaft gesichert ist. Unter Mitwirkung von Berliner Abgeordneten wurde zudem die Bundesregierung aufgefordert, Suchtberatungsstellen ausreichend gut zu finanzieren.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF.

Ansprechperson für Presseanfragen

  • PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin
  • Dr. med. Matthias Blöchle, Vizepräsident der Ärztekammer Berlin

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