Kontakt

Manja Nehrkorn, MPH
Referentin

Abteilung 2 - Fortbildung / Qualitätssicherung

Interventionsprogramm

Arzt SUCHT Hilfe

Suchtproblematik bei Ärztinnen und Ärzten – professionelle Hilfe und kollegialer Rat

Über Suchterkrankungen im Allgemeinen und besonders bei Ärztinnen und Ärzten wird nicht gern gesprochen. Das Interventionsprogramm der Ärztekammer Berlin bricht dieses Tabu und begleitet Ärztinnen und Ärzte in Therapie, Praxisorganisation und Nachsorge.

Ziel ist es, bei riskanten Entwicklungen frühzeitig professionelle Hilfe und kollegialen Rat anzubieten. Individuelle Lösungen sollen dem Kammermitglied dabei helfen, seine Gesundheit und Berufsfähigkeit zu erhalten oder wieder herzustellen. Gleichzeitig ist es Ziel, die Patientensicherheit zu gewährleisten und mögliche einschneidende berufsrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

Zitat

„Ausgangspunkt für das Interventionsprogramm war, dass unter den Mitgliedern des Arbeitskreises Drogen und Sucht der Ärztekammer Berlin aus Ihrer beruflichen Erfahrung zum einen klar war, dass ein wirklich gutes Suchthilfesystem mit einem umfangreichen Hilfeangebot für suchtkranke Menschen besteht, aber gerade für suchtkranke und -gefährdete Kolleginnen und Kollegen noch passgenauerer Angebote notwendig und sinnvoll erschienen, die deren besonderer Situation Rechnung tragen. Und dass es unserer professionellen aber auch kollegialen Sicht nur recht und billig war, ein solches Angebot zu entwickeln und anzubieten.

Mit dem jetzt vorliegenden Interventionsprogramm besteht ein gutes Angebot. Es hält aus meiner Sicht gut die Balance zwischen der Hilfs- und Behandlungsbedürftigkeit der betroffenen Kolleginnen und Kollegen auf der einen Seite und der Schutzbedürftigkeit der Patient:innen auf der anderen Seite. Als einen weiteren Vorteil sehe ich die Dauer des Programms, die nach allen suchtmedizinischen Erfahrungen und Erkenntnissen bei erfolgreichem Abschluss auch einen nachhaltigen Erfolg erwarten lässt. Die fachkollegiale Begleitung während des gesamten Zeitraums sichert zum einen natürlich auch die Kontrolle über den Behandlungsprozess, führt aber über den kollegialen Aspekt auch zu einer verbesserten Akzeptanz. Insgesamt bin ich froh, dass dieses Angebot besteht, da ich weiß, wie schwer es schon nichtärztlichen Betroffenen fällt, ihre Hilflosigkeit und damit Hilfsbedürftigkeit anzuerkennen; und den ärztlichen als den von Berufs wegen Helfenden natürlich erst recht."

Dr. med. Thomas Reuter, Suchtbeauftragter der Ärztekammer Berlin

Suchtproblematik bei Ärztinnen und Ärzten – immer ein bedeutsamer Fall

Aus verschiedenen Gründen sind Ärztinnen und Ärzte besonders gefährdet eine Suchtproblematik zu entwickeln. Die berufsspezifischen Belastungen – hohe Arbeitsdichte, überdurchschnittliche Arbeitszeiten, Leistungs- und Perfektionsdruck, berufliche Konflikte – treffen häufig auf ein berufliches Selbstbild des stets hilfsbereiten, selbstlosen, nimmermüden und immer funktionierenden Mediziners. Die Betroffenen täuschen sich unter Umständen noch länger als andere über die eingetretene Abhängigkeit hinweg und unterhalten sie mit Hilfe ihrer beruflichen Möglichkeiten auch in Krisen, zum Beispiel im Entzug, mit Selbstmedikation.

Auf Grund der besonderen Stellung und Verantwortung von Ärztinnen und Ärzte sind ein problematischer Substanzkonsum und Suchtmittelabhängigkeit mit einer ärztlichen Tätigkeit grundsätzlich nicht vereinbar.

Viel früher als bei vielen anderen Berufsgruppen besteht bei Ärztinnen und Ärzten im Fall einer Suchtproblematik Handlungsbedarf, damit die Betroffenen für sich, aber auch für ihre Patient:innen, schwerwiegende Nachteile vermeiden können.

Das Hilfsangebot – Einstieg zum Ausstieg – das Interventionsprogramm für Mitglieder der Ärztekammer Berlin

Sollten Sie als Ärztin oder Arzt Anzeichen eines problematischen Substanzkonsums an sich selbst oder bei ärztlichen Kolleg:innen feststellen, dann sollten Sie nicht zögern, diese offen anzusprechen und das hier vorgestellte Interventionsprogramm der Ärztekammer Berlin als Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Das strukturierte Interventionsprogramm der Ärztekammer Berlin umfasst drei Stufen:

  1. Klärungsphase / Vereinbarung des konkreten Vorgehens
  2. Initiale qualifizierte suchttherapeutische Behandlungsphase
  3. Strukturiertes Nachsorgeangebot und Überwachungsphase

Die Teilnahme am Interventionsprogramm ist für Mitglieder der Ärztekammer Berlin mit problematischen Substanzkonsum kostenfrei. Die Kostenübernahme für anfallende Untersuchungen, Behandlungen, Therapien im Rahmen des Interventionsprogramms sind Angelegenheit des betroffenen Kammermitglieds und entsprechend selbst zu verantworten.

Vertrauenspersonen

Die Vertrauenspersonen sind vom Vorstand der Ärztekammer Berlin berufene, suchtmedizinisch und therapeutisch qualifizierte, erfahrene Mitglieder des Arbeitskreises Drogen und Sucht der Ärztekammer Berlin.

Sie bieten aus kollegialer Fürsorge Unterstützung bei der Überwindung einer bestehenden Suchtproblematik mit dem Ziel, eine qualifizierte Ausübung des ärztlichen Berufs sicherzustellen und auf diese Weise ansonsten unausweichliche Sanktionen zu verhindern. Betroffene, deren Angehörige, Freunde, Bekannte können sich jederzeit an folgende fachkompetente Kolleginnen und Kollegen wenden:

Vertrauensperson Erreichbarkeit

Dr. med. Thomas Reuter

Suchtbeauftragter der Ärztekammer Berlin Oberarzt, DRK Kliniken Berlin | Mitte

E

M +49 152 01 57 66 51

Dr. med. Ute Keller

Leitende Oberärztin, Alexianer St. Joseph-Krankenhaus, Klinik für Suchtmedizin

E

T +49 30 927 90 - 226/-230

Dr. med. Alexander Stoll

Leitender Oberarzt, Vivantes Entwöhnungstherapie, Hartmut-Spittler-Fachklinik am Auguste-Viktoria-Klinikum

E

T +49 30 130 20 86 02

Dr. med. Darius Chahmoradi Tabatabai, MBA

Chefarzt, Hartmut-Spittler-Fachklinik am Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum

E

T +49 30 130 20 86 01

Dr. med. Monika Trendelenburg

Oberärztin, Vivantes Klinikum Neukölln, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik

E

T +49 30 130 14 22 75

M +49 151 58 04 54 63

Norbert Erez Lyonn

Arztpraxis für Allgemein- und Suchtmedizin

E

T +49 30 235 54 90

Dr. med. Katrin Körtner E