Für besondere Verdienste

Der Georg-Klemperer-Preis

Die Preisträger:innen 2020 und 2021

Prof. Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek

Vera Regitz-Zagrosek ist die Wegbereiterin der Gendermedizin in Deutschland und auf europäischer Ebene. Ihr ist es zu verdanken, dass in der Medizin hierzulande – und auch darüber hinaus – seit einigen Jahren vermehrt zwischen Männern und Frauen differenziert wird. Mit ihrer Forschung und durch zahlreiche Studien, Publikationen, Vorträge sowie Interviews hat die Professorin „Gendermedizin“ zum Thema gemacht und in die Öffentlichkeit getragen.

Regitz-Zagrosek war eine der ersten Frauen, die sich im Bereich Kardiologie habilitiert hat. Als Kardiologin sah sie jährlich rund 3.000 Patientinnen und Patienten. Sie erkannte, dass nicht alle Menschen die gleiche Behandlung erhielten: Frauen wurden oftmals wesentlich schlechtere Angebote gemacht als Männern. Um herauszufinden, warum das so ist, entwickelte die Professorin einen neuen Ansatz. Sie differenzierte in Forschung und Versorgung nach Geschlecht und wandelte das von ihr im Jahr 2003 an der Charité – Universitätsmedizin Berlin gegründete interdisziplinäre Zentrum für Geschlechterforschung in der Medizin (GIM) 2007 in das Institut für Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) um. Der Fokus des Institutes lag konsequent auf den Unterschieden zwischen den Geschlechtern.

Prof. Dr. med. Regina Kunz, MSc (Epi)

Die gebürtige Ansbacherin Regina Kunz studierte Medizin in Würzburg, Bonn sowie London und absolvierte anschließend das postgraduierte Master of Science Programm in klinischer Epidemiologie & Biostatistik an der McMaster Universität im kanadischen Hamilton. Dort erhielt sie nach eigener Aussage erstmals Antworten auf viele Fragen, die sie sich gestellt hatte: In Kanada wurde der Grundstein ihrer EbM-Karriere gelegt. Regina Kunz verschrieb sich und ihren beruflichen Werdegang einer medizinischen Versorgung, die ihre Entscheidungen sowohl patientenorientiert als auch auf Grundlage empirisch nachgewiesener Wirksamkeit trifft.

In den folgenden Jahren erweiterte und verbreitete sie ihr Wissen zur EbM auf den verschiedenen Ebenen des Gesundheitssystems: in der Verwaltung als kommissarische Leiterin der Abteilung Methodik und Informationstransfer beim Gemeinsamen Bundesausschuss Berlin, in der Wissenschaft als Assistenzprofessorin in klinischer Epidemiologie an der Universität Basel und im Versicherungswesen als Leiterin des Lehrstuhls für Versicherungsmedizin in Basel.

Durch ihr Wirken, durch zahllose Kongressvorträge sowie durch ihre Lehrtätigkeit und nicht zuletzt durch die Gründung und den Aufbau des Netzwerkes für Evidenzbasierte Medizin in Deutschland hat Regina Kunz dafür gesorgt, dass die EbM heute nicht mehr nur als „Kochbuchmedizin“ wahrgenommen.

Prof. Dr. med. et phil. Hans-Heinrich Raspe

Hans-Heinrich Raspe gehört zu den Wegbereitern der EbM in Deutschland. Er initiierte 1997 in Lübeck den ersten „Evidence Based Medicine“-Workshop im deutschsprachigen Raum. Und rief ein Jahr später gemeinsam mit der ebenfalls geehrten Regina Kunz und mit Prof. Dr. med. Gerd Antes Kolleg:innen auf, sich in einem „lockeren EbM-Netzwerk“ zu organisieren. Während des ersten bundesweiten EbM-Kongresses – durchgeführt von der Ärztekammer Berlin und der Bundesärztekammer – wurde am 14. März 1998, zunächst als informelle Arbeitsgemeinschaft, das „Deutsche Netzwerk EbM“ gegründet. Für das Mitinitiator und Gründungsmitglied Raspe bis 2001 als erster Sprecher fungierte. Heute ist das Netzwerk mit rund 1.000 Mitgliedern das größte weltweit.

Im Laufe seiner Karriere arbeitete der Professor in zahlreichen Gremien sowie an unzähligen Projekten für die EbM: Unter anderem erarbeitete Hans-Heinrich Raspe das EbM-Curriculum für die Ärztekammer Berlin, ist Mitherausgeber des EbM-Curriculums der Bundesärztekammer und des „Lehrbuchs Evidenzbasierte Medizin“ und war bis 2012 Schriftleiter der „Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen“. Bis heute setzt sich Hans-Heinrich Raspe leidenschaftlich für eine Versorgung ein, die dem Bedarf der Patient:innen entspricht und zudem die Anforderungen des Versorgungssystems kritisch reflektiert.

Georg Klemperer

Der Namensgeber, Georg Klemperer, steht für Tugenden wie die bedingungslose Orientierung an Patientinnen und Patienten, die Neugier auf das Erkennen von medizinischen Zusammenhängen sowie die Offenheit, Problemen auf neuen Wegen zu begegnen.

Es war sein Ziel, Ärzt:innen und alle, die um das Wohl kranker Menschen bemüht sind, zu fördern, ungeachtet ihres Geschlechts und ihrer Herkunft. Er hatte immer den ganzen Menschen im Blick, als Wesen mit Körper und Seele. Dabei strebte Georg Klemperer stets nach der wissenschaftlichen Fundierung des ärztlichen Handelns.

  • Georg Klemperer wurde am 10. Mai 1865 in Landsberg geboren.
  • Er war ein deutscher Internist jüdischer Herkunft und ein Begründer der Ernährungsforschung.
  • Nach seiner Habilitation 1889 an der I. Medizinischen Klinik der Charité wurde er 1906 Chefarzt im Krankenhaus Moabit.
  • Er wies auf die große Bedeutung einer adäquaten Ernährung bei der Behandlung von Krankheiten hin und beschäftigte sich auch mit Hypnose und Naturheilkunde.
  • Sein Lehrbuch "Grundriss der Inneren Medizin" erschien bis 1931 in 26 Auflagen.
  • Zusammen mit seinem Bruder Felix gab er ein zehnbändiges Handbuch der praktischen Medizin heraus.
  • Georg Klemperer wurde 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen, 1935 emigrierte er in die USA und verstarb am 25. Dezember 1946 in Boston.
  • Die Charité führte zu Ehren des Mediziners 2007 eine Georg Klemperer Ehrenvorlesung ein.

Die Preisträger:innen von 2007 bis 2019

Alle Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre finden Sie hier.

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