Georg-Klemperer-Preis

2019

Gudrun Ziegler

Gudrun Ziegler arbeitete unter anderem als Bewährungshelferin für suchtkranke Straftäter und infizierte sich 1974 bei einem Dienstunfall mit einer seltenen, damals noch unbekannten Form von „Hepatitis“. Entgegen der ärztlichen Prognose schaffte sie es, die Krankheit mithilfe von Cortison bis 2002 in Schach zu halten. Dann steht fest, dass sie eine neue Leber braucht. Sie wird auf die Warteliste für eine Organtransplantation gesetzt. Auf der Suche nach Informationen muss sie jedoch feststellen, dass das Thema „Organspende“ nur wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung findet. Nachdem Gudrun Ziegler 2003 ein neues Organ erhalten hat, will sie auf die Themen Organmangel, Organspende und Transplantation aufmerksam machen. 2007 gründet sie gemeinsam mit anderen Patient:innen das Forum Organtransplantation Berlin e. V. und sucht als dessen Vorstandsvorsitzende den Dialog mit der Öffentlichkeit, hält Vorträge und gibt Interviews. Neben den Medien sind Schüler:innen ihre Zielgruppe, denn für Gudrun Ziegler ist das Thema Organspende vor allem eine Chance für die nächste Generation. Gemeinsam mit der, Ende 2013 gegründeten, AG Organspende, einer Initiative von Medizinstudierenden organisiert sie Workshops für Lehrer und gestaltet fächerübergreifende Unterrichtsstunden an Schulen.

Prof. Dr. med. Harald Mau (†)

Harald Mau wirkte 35 Jahre an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er leitete unter anderem die Kinderchirurgische Klinik und machte sich als Spezialist für Neugeborenenchirurgie, Kinderurologie und Pfortaderhochdruck einen Namen. Als ihr Dekan (1990 bis 1995) schaffte er es mit Standhaftigkeit und seiner ihm ganz eigenen Diplomatie, die Abwicklung der Klinik abzuwenden und diese durch einen Prozess der Erneuerung – der nicht selten auch mit unpopulären Entscheidungen einherging – in die neue Zeit zu überführen. Als Standespolitiker hat sich Harald Mau auf unterschiedlichsten Ebenen für die Belange aller Ärzt:innen eingesetzt und dabei viele Jahre die Geschicke des NAV-Virchow-Bundes und der Ärztekammer Berlin – zuletzt als Mitglied des Vorstandes – maßgeblich beeinflusst.

2018

Karin Stötzner

Karin Stötzner stammt ursprünglich aus Frankfurt am Main, wo sie Soziologie studiert und nach ihrem Abschluss in verschiedenen Bereichen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes gearbeitet hat. 1985 kam sie nach Berlin und übernahm die Leitung der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle (SEKIS). Dort konnte sie ihre Vorstellungen von der Förderung selbstbestimmten Lebens verwirklichen und die Eigeninitiative von Betroffenen unterstützen. Dabei war es stets ihr Ziel, Wege zu finden, um mit den Akteuren des Gesundheitssystems ins Gespräch zu kommen und um gehört zu werden. Engagiert und immer präsent hat sie ein kontinuierliches Networking betrieben, sodass es 2004 keine bessere Wahl für die Position der ersten Patientenbeauftragten eines Bundeslandes, für Berlin, gab: Karin Stötzner kannte die Materie, kannte die Akteure und nutzte die Kommunikationsmittel.

Ihr Einsatz als Patientenvertreterin sollte eigentlich nach einer Legislaturperiode enden, aber im Laufe der Jahre sind daraus vier geworden und auch die Aufgaben der unabhängigen Position wurden deutlich umfangreicher. Ursprünglich war geplant, dass die Patientenbeauftragte „nur“ die damalige Senatorin beraten und die verschiedenen Berliner Aktivitäten zur Patientenorientierung koordinieren sollte. Allerdings gab es von Anfang an Anfragen von Betroffenen ebenso wie von Institutionen und Einrichtungen. 2011 kam zudem der Bereich Pflege hinzu, sodass das Büro der Patientenbeauftragten seitdem „offiziell“ die koordinierende Ombudsstelle für Patientinnen und Patienten sowie Pflegebedürftige und deren Angehörige ist.

In ihrer Funktion als Patientenbeauftragte vertritt sie Patient:innen, die, wenn sie sich an sie wenden, meist eher ein Problem mit Ärzt:innen oder dem Ergebnis einer Behandlung haben. Dann versucht Karin Stötzner beide Seiten im Blick zu haben – Patient:in und Ärzt:in. Das ist ihr wichtig, weshalb sie stets wertschätzend, lösungsorientiert und kooperativ mit der Ärzt:innenschaft zusammengearbeitet hat. Ihr Anspruch ist es, gemeinsame Wege zu finden, anstatt „Fronten“ zu bilden.

Prof. Dr. med. Heribert Kentenich

Nach dem Abschluss seines Studiums und dem Erhalt der Approbation ging Heribert Kentenich Ende der 1970er-Jahre ans Evangelische Waldkrankenhaus Spandau. Dort sammelte er erste Erfahrungen im Bereich der damals noch eher jungen, unbeachteten „alternativen Geburtsmedizin“ und promovierte 1983 unter Prof. Dr. med. Manfred Stauber mit einer Arbeit zum Thema „‘Natürliche Geburt‘ in der Klinik. Zum Verhalten von Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett“. Im Jahr 1984 wechselte er ganz zu Stauber an die Universitäts-Frauenklinik in der Charlottenburger Pulsstraße, wo sie in den Folgejahren die Reproduktionsmedizin aufbauten. Dabei sahen Kentenich und seine Kollegen nicht nur das Neue, das „Retortenbaby“, sondern auch die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung. Diese stellten sie schon damals in einen umfassenderen Kontext und prüften, wie sich die Entwicklung sowohl unter ethischen als auch unter psychosozialen Aspekten vorantreiben ließ und welche Grenzen es zu beachten galt.

Mitte der 1990er-Jahre wurde Heribert Kentenich Chefarzt der Frauenklinik in Westend, an der er ebenfalls die Reproduktionsmedizin ausbaute und außerdem eine besonders ausgerichtete Geburtsmedizin etablierte. Heute gängige Ansätze wie beispielsweise freundliche, farbenfrohe Geburtsräume statt kalter Kreißsäle oder sogenanntes „Bonding“ nach der Geburt gehörten für den damaligen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Gynäkologie und Geburtshilfe zum Arbeitsalltag. Für Kentenich war die ganzheitliche, psychosomatische Betrachtungsweise maßgeblich und er forderte von seinen Mitarbeiter:innen, dass diese bei jedem Patientenkontakt angewendet wird.

Um seine Ideen und Arbeitsschwerpunkte nicht nur praktisch, sondern auch politisch vorantreiben zu können, engagierte und engagiert er sich seit vielen Jahren in verschiedenen Gremien, wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachgesellschaften.

2017

Antje Blankau

Ihre Assistentenzeit absolvierte Antje Blankau an der Frauenklinik der Freien Universität Berlin, wo sie bereits als Assistentensprecherin für ihre Mitassistenten einsetzte. Mit der Anerkennung des Facharztes für Frauenheilkunde und Geburtshilfe kam sie dann in den 90er-Jahren zur Reproduktionsmedizin. Sie eröffnete eine eigene Praxis und kümmerte sich mit viel Engagement und Verantwortungsbewusstsein um ihre Patientinnen, zum Teil auch im Privaten. Durch die Reproduktionsmedizin fing sie an, sich für die Standespolitik zu interessieren. Seit 1986 ist sie in verschiedenen Gremien der Ärztekammer Berlin aktiv. Dabei war und ist es Antje Blankau wichtig, ihr Wissen an junge Ärzt:innen weiterzugeben ohne dabei jemals „von oben herab“, sondern stets wertschätzend und immer auf Augenhöhe zu agieren.

OMR Dr. med. Volker Schliack (†)

Volker Schliack absolvierte seine Assistentenzeit und seine Promotion bei Prof. Dr. med. Gerhardt Katsch, dem Gründer des weltweit ersten Diabetikerheims in Garz auf Rügen sowie des international renommierten Diabetes-Instituts in Karlsburg bei Greifswald. Schliacks Arbeit, mit der er im Jahr 1950 unter dem Titel „Zur Frage von Syntropien beim Diabetes mellitus nebst statistischen Angaben über unser Krankengut und die diabetische Bevölkerung unseres Einzugsgebietes“ promovierte, führte zu einem Paradigmenwechsel in der Diabetologie. Denn die Arbeit zeigte, dass es seinerzeit viel mehr unerkannte Diabetiker:innen in der Bevölkerung gab, als angenommen und dass die klinische Diagnose oft viel zu spät gestellt wurde. Die Früherkennung des Diabetes und seiner Vorstadien wurde Schliacks Lebensthema, das er auch über die Landesgrenzen und später über die Grenzen des Kalten Krieges hinweg verfolgte. Ende der 50er-Jahre wurde Schliack zum Direktor der Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten berufen und reorganisierte in der Folge die ambulante und stationäre Diabetikerbetreuung in Ost-Berlin und der DDR. In den folgenden Jahren baute er sukzessive ein weltweit anerkanntes, häufig kopiertes und dennoch einmaliges Betreuungsnetz auf. Zudem leitete er in Personalunion als Chefarzt die Klinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten in Berlin Kaulsdorf, in der er die weltweit erste teilstationäre Nachtklinik etablierte. Diese war eine Sensation und diente sowohl zur nächtlichen Diabeteseinstellung unter Alltagsbedingungen als auch zur Schulung und Stoffwechseloptimierung.

Dr. med. Wolfram Singendonk (†)

Wolfram Singendonk eröffnete 1983 zusammen mit einer Kollegin eine Gemeinschaftspraxis in der regelmäßig sowohl angehende Kinder- und Jugendärzt:innen, als auch angehende Allgemeinmediziner:innen zur Weiterbildung angestellt waren. Die Beschäftigung mit der Weiterbildungssituation brachte ihn nach eigenen Angaben dazu, sich der FrAktion Gesundheit anzuschließen und sich zur Wahl für die Delegiertenversammlung der Ärztekammer zu stellen. Mit Erfolg: Seit 1995 war er für die ärztliche Fort- und Weiterbildung und den ärztlichen Berufsstand in verschiedensten Gremien ehrenamtlich aktiv. Dabei war es ihm stets wichtig, dass die Weiterbildung für die Ärzt:innen konstruktiv abläuft und dass die Ärztekammer Berlin genau darauf ein Auge hat. Wolfram Singendonk war mit verantwortlich dafür, dass heute für eine Befugniserteilung entsprechende Curricula vorgelegt werden müssen und dass Befugnisse zum Teil auch beschränkt werden, damit die Assistent:innen nicht nur in einer Abteilung arbeiten, sondern das ganze Haus oder mehrere Praxen kennenlernen. Zudem hat er sich von Anfang an für Prüferschulungen stark gemacht und hat für diese gemeinsam mit dem Hauptamt ein passendes Konzept entwickelt. Bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit war und ist er stets mit den hauptamtlichen Mitarbeiter:innen in engem Kontakt: Er fühlt sich verantwortlich, wenn es darum geht, gemeinsam mit dem Hauptamt umzusetzen, was die Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin beschlossen hat. Dabei bedeutet der ehrenamtliche Auftrag für ihn vor allem, Verantwortung gegenüber dem Berufsstand und den nachfolgenden Generationen von Ärzt:innen zu übernehmen und Letztere am eigenen Wissen teilhaben zu lassen.

2016

Dr. med. Renate Schüssler

Von 1981 bis 2008 führte Renate Schüssler mit einer Kollegin eine gemeinschaftliche Kinderarztpraxis in Berlin-Kreuzberg. Hier setzte sie sich intensiv mit den Lebensbedingungen ihrer vorwiegend aus nichtdeutscher Herkunft stammenden Patient:innen und Arzthelferinnen auseinander. Das Miteinander der verschiedenen Kulturen war prägend für ihre Praxis. Sie förderte die Ausbildung von Stadtteilmüttern, arbeitete in Projekten von Gesundheit Berlin/Brandenburg sowie bei der Malteser Migranten Medizin und beim Babeluga e. V. mit. 2012 unterstützte sie obdachlose Roma-Familien nach der Besetzung der Gerhardt-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg. Zudem reiste sie regelmäßig nach Nordindien, wo sie ehrenamtlich für ein Health Center arbeitete.

Im August 2015 war Renate Schüssler eine der ersten Helfenden auf dem Gelände des LAGeSo und engagierte sich für die Versorgung Geflüchteter. Im Auftrag der Bezirksämter Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg war sie ab Oktober 2015 in den Notunterkünften aktiv. Anschließend arbeitete sie auf Bitten des Landesweiten Koordinierungsstabs Flüchtlingsmanagement (LKF) an einem Konzept für die medizinische Versorgung der Bewohner:innen in den Notunterkünften mit. Inzwischen ist Renate Schüssler als Ärztliche Lotsin im Auftrag der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung für die Qualität der medizinischen Versorgung in den Notunterkünften im Berliner Bezirk Friedrichshain/Kreuzberg verantwortlich.

2015

Prof. Dr. med. Vittoria Braun

Vittoria Braun etablierte 1998 das Institut für Allgemeinmedizin an der Charité und leitete es als Direktorin mit kurzer Unterbrechung zwischen 2001 und 2012. Damit wurde die Allgemeinmedizin erstmals Lehrfach an der Hochschule. Zudem brachte Vittoria Braun ein bundesweites Hausärzt:innennetzwerk mit 140 Kolleg:innen auf den Weg und evaluierte deren Diagnostik und Therapie, um die Ergebnisse an ihre Student:innen weiterzureichen. Ein weiteres Projekt der Professorin betraf die Einrichtung einer Plattform, über die Ärzt:innen in Weiterbildung mit erfahrenen Hausärzt:innen über schwierige Patient:innenfälle kommunizieren können.

Prof. Dr. med. Volkmar Schneider

Der Rechtsmediziner Volkmar Schneider begann 1967 seine Laufbahn in der Gerichtsmedizin in Berlin. Seit 1982/83 war er Direktor des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin und des Instituts für Rechtsmedizin der Freien Universität Berlin. Unter seiner Verantwortung standen auch das Institut der Rechtsmedizin der Humboldt-Universität und das Institut für Forensische Psychiatrie der Freien Universität Berlin. In seine Zeit fiel auch die Zusammenführung der Universitätsinstitute und die Einstandortlösung auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses Moabit. Anfang 2007 wechselte Volkmar Schneider in den Ruhestand und veröffentlichte seither zahlreiche Publikationen über seine Erfahrungen als Gerichtsmediziner. Professor Schneider hat sich schon früh für die Zusammenarbeit und Integration osteuropäischer Kolleg:innen starkgemacht.

Dr. med. Helmut Hoffmann

Was Helmut Hoffmann 1996 mit dem ehrenamtlichen Projekt „Prävention auf neuen Wegen – Kunst und Medizin“ begründete, wurde zu einem vielbewunderten Engagement. Die Idee kam ihm im Rahmen seiner Tätigkeit als stellvertretender Leiter des Jugendgesundheitsdienstes in Berlin, als er feststellte, dass es notwendig sei, Kindern die Bedeutung eines aktiven Gesundheitsschutzes nahezubringen. So schloss er Kooperationen mit Schulen und entwickelte Projekte für die Fächer Biologie und Deutsch, die bis heute Bestand haben. Im Laufe der Jahre sind zahlreiche eindrucksvolle Bilder und Ausstellungen entstanden, die die Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit verdeutlichen und das Thema Prävention für jeden verständlich machen.

2014

Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Roland Hetzer

Roland Hetzer hat in den vergangenen Jahrzehnten das Deutsche Herzzentrum Berlin zu weltweitem Ansehen geführt und gilt als einer der herausragendsten Herzchirurgen und Meister seines Fachs über die Grenzen Berlins und Deutschlands hinaus. 1987, gerade einmal 39-jährig, implantierte er zum ersten Mal das sogenannte, von Prof. Bücherl ein Jahr zuvor entwickelte „Berliner (Kunst-)Herz“ und rettete damit den Patienten über die Zeit bis zur geplanten Transplantation. Seitdem werden hier Patient:innen aus aller Welt mit schweren Herz-, Lungen- und Gefäßkrankheiten behandelt. Doch nicht nur Forschung, Entwicklung und der klinische Alltag, sondern auch die Weitergabe und Vermittlung von Wissen haben es Roland Hetzer angetan. Für Letzteres gründete 1986 extra die Akademie für Kardiotechnik.

Prof. Dr. med. Michael Foerster

Augenarzt Michael Foerster hat zwanzig Jahre als Direktor die Geschicke der Augenklinik des Klinikums Benjamin Franklin geleitet und sich darüber hinaus außerordentlich im Bereich der wissenschaftlichen Gesellschaften der Augenheilkunde, u.a. als Präsident der Deutschen Retinologischen Gesellschaft (bis 2004) und im Präsidium der ophtalmologischen Gesellschaft (bis 2005) engagiert. Berühmtheit erlangte er 1998 nicht nur in Fachkreisen für seine Entwicklung der Protonentherapie bei Augentumoren, eine besondere Form der Strahlentherapie, die sich besonders exakt dosieren und fokussieren lässt. Die Methode, die 90 Prozent der Tumoren zerstört, ohne dabei die Augen gravierend zu schädigen und sogar die Sehkraft erhalten kann, etablierte sich. Ein durchschlagender Erfolg für die Augenmedizin, durch die die Berliner Augenklinik am Benjamin-Franklin-Klinikum zu einem nationalen und internationalen Zentrum für okulare Tumoren wurde.

2013

Dr. med. Gisela Albrecht

Die Dermatologin Gisela Albrecht ist langjährige Geschäftsführerin der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in Berlin. Ab 1992 war sie für viele Jahre Mitglied des Vorstandes der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und Generalsekretärin der Deutschen Dermatologischen Akademie. Zudem hat sie sich, zunächst als stellvertretende ärztliche Leiterin des Klinikums Spandau und ab 2001 als ärztliche Direktorin, um die Vertretung ärztlicher Anliegen in hohem Maße verdient gemacht. Nachdem Gisela Albrecht seit 1999 Mitglied im Kuratorium der Kaiserin-Friedrich-Stiftung war, übernahm sie 2009 als deren Geschäftsführerin die Leitung der Stiftung.

Prof. Dr. med. Erich Saling (†)

Erich Saling gilt als Vater der „Perinatalmedizin“. Während seiner Facharztausbildung in den 50er-Jahren im Krankenhaus am Mariendorfer Weg in Berlin erkannte er, wie sehr an diesem Fachgebiet die wissenschaftliche Entwicklung vorbeigegangen war und begann, neue Wege für die Versorgung der kleinsten Patient:innen zu beschreiten. Dazu gehörte die bahnbrechende Entwicklung der Mikroblutuntersuchung beim Kind unter der Geburt. Für die Reanimation des Neugeborenen entwickelte er ein eigenes Beatmungsgerät. Systematisch und konsequent forschte er nach den Ursachen beobachteter Störungen während des Geburtsverlaufes, deren vorgeburtlicher Diagnosestellung sowie möglicher Behandlungen. Es kam zu einem wissenschaftlichen Paradigmenwechsel: „Das Kind im Bereich der Geburtshilfe“ wurde in das Zentrum des Interesses gerückt. Um seine Fähigkeiten und Kenntnisse den Patient:innen auch nach seiner Emeritierung 1991 zur Verfügung stellen zu können, gründete er 1993 das Erich Saling-Institut für Perinatale Medizin e. V.

Dr. med. Friedrich Kruse (†)

Der Augenarzt Friedrich Kruse hat sich in hohem Maße berufs- und gesundheitspolitisch engagiert. 1974 wurde er erstmals zum Vorsitzenden der Augenärzte Berlins gewählt und dies regelmäßig alle vier Jahre wieder bis zu seinem Amtsverzicht 2008. Mit dem Mauerfall 1989 setzte sich Kruse intensiv für die ostdeutschen Berufskolleg:innen ein. Er baute schnell Kontakte auf und innerhalb weniger Wochen kam es zur Zusammenarbeit und Kooperation innerhalb der Augenärzt:innenschaft. Mit Rat und Tat stand er unermüdlich zur Verfügung. Bei der letzten Tagung der Augenärzt:innen der DDR, der augenärztlichen Gesellschaft am 11. September 1990 in Rostock-Warnemünde, wurde darum Friedrich Kruse die Helmholtz-Medaille verliehen. Das war die höchste Auszeichnung, die die Augenärzt:innen der DDR vergeben konnten. Dem vorausgegangen war am 17. Juni 1990 in Leipzig die Vereinigung der ost- und westdeutschen Berufsverbände der Augenärzt:innen.

2012

Dr. med. Rita Kielhorn-Haas 

Rita Kielhorn-Haas begann 1976 mit Eintritt in den Berufsverband der Praktischen Ärzte und Ärzte für Allgemeinmedizin (BPA) ihre berufspolitische Karriere. Bis 2007 hat sie fast ununterbrochen verschiedene Wahlfunktionen bekleidet. Sie war unter anderem Vorsitzende des BPA, zunächst nur für Berlin und nach dem Fall der Mauer für Berlin-Brandenburg sowie 1. Stellvertreterin des BPA-Bundesvorsitzenden. Seit den 80er-Jahren engagierte sich Rita Kielhorn intensiv in der Ärztekammer Berlin und in der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin. So war sie beispielsweise von 1983 bis 2007 durchgängig Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin. Ihr besonderes Augenmerk lag und liegt immer noch auf der psychosomatischen Medizin. 1994 gründete sie zusammen mit der Ärztekammer Berlin und der Akademie für Integrierte Medizin das Institut für Psychosomatik und Psychotherapie des BPA Berlin-Brandenburg, dem sie bis heute vorsteht. Außerdem war sie zwischen 1994 und 1997 Vorsitzende der Deutschen Balintgesellschaft. Noch heute leitet Rita Kielhorn-Haas Balintgruppen und behandelt Privatpatient:innen psychotherapeutisch.

Rolf Dieter Müller

Rolf Dieter Müller hat einen langen Weg vom Auszubildenden als Sozialversicherungsfachangestellter bei der AOK Wuppertal bis hin zum Vorstand der AOK Berlin durchlaufen. 49 Berufsjahre hielt er der AOK die Treue. Unter seiner Ägide als Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender der AOK-Berlin (seit 1998) wurde zum Beispiel die erste bundesweit getroffene Vereinbarung zur Verbesserung der Behandlung von Rheumapatient:innen realisiert, für die er mit der Silbernen Ehrennadel der Rheumaliga geehrt wurde. Darüber hinaus hat die AOK die erste flächendeckende Home-Care-Vereinbarung zur Versorgung von HIV-Patient:innen, aber auch zur Versorgung von Onkologiepatienten im Jahre 1993 geschlossen. Sie ist Vorbild als Versorgungsansatz für die Palliativversorgung bundesweit. Für Augenärzt:innen und Augenpatient:innen ist wichtig, dass im Jahr 1998 in Berlin eine bundesweit einzigartige Regelung getroffen wurde, um Patient:innen mit Augentumoren eine Protonentherapie an der Universitätsklinik Charité zu ermöglichen. Diese Behandlungsmethode hatte Weltgeltung. Die ambulante Rehabilitation wurde durch eine Pilot-Vereinbarung unter Beteiligung des Arbeits- und Sozialministeriums 1996 für orthopädische, neurologische und Herzkreislauf-Erkrankungen geregelt und gilt als die erste deutschlandweite Regelung unter Beteiligung des Ministeriums.

Dr. med. Ulrich Fegeler

Der Kinder- und Jugendarzt Ulrich Fegeler engagiert sich seit vielen Jahren intensiv in der Kinder- und Jugendmedizin. Dabei geht sein Engagement weit über die Verbesserung der medizinischen Versorgung hinaus. Zwischen 1999 und 2009 war Fegeler stellvertretender Landesvorsitzender des Berliner Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Seit 2007 ist er Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Sein Themenschwerpunkt ist dabei „Vergessene Kinder“, das heißt die sozialen Folgen frühkindlicher soziogener Entwicklungsdefizite. 2011 gründete er deshalb die Initiative „Kein Kind vergessen – nachhaltige Entwicklungsförderung jetzt“, in der sich Pädiater:innen, Kriminalpsycholog:innen, Sozialwissenschaftler:innen, Pädagog:innen, Politiker:innen, Jurist:innen und Journalist:innen engagieren. Er ist darüber hinaus Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für ambulante allgemeine Pädiatrie (DGAAP). Zudem gehört Ulrich Fegeler zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Ärzteinitiative gegen Atomenergie sowie der Deutschen Sektion der IPPNW, in deren Vorstand er sich über viele Jahre engagierte.

2011

Prof. Dr. med. Walter Thimme (†)

Der Kardiologe Walter Thimme ist seit vielen Jahren Mitherausgeber des Arzneimittelbriefes, eine der wichtigsten und weit verbreitetsten Publikationen in deutscher Sprache, in der unabhängig, fundiert und praxisrelevant über bestehende und neue Verfahren der Arzneimitteltherapie, aber auch zu grundsätzlichen Fragen Stellung genommen wird. Zudem initiierte er im Jahr 2000 das Berliner Herzinfarktregister und war bis 2006 dessen Vorsitzender. Das Berliner Herzinfarktregister, an dem zurzeit 23 Berliner Kliniken mitarbeiten, hat sich zur Aufgabe gemacht, systematisch qualitätsorientierte Daten von Herzinfarktpatienten zu sammeln, auszuwerten, zu vergleichen und aus ihnen zu lernen. Dies hat dazu geführt, dass sich die Sterblichkeit von Herzinfarktpatienten zwischen 2001 und 2008 halbiert hat.

Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm

Die berufspolitische Karriere von Manfred Richter-Reichhelm ist ebenso umfangreich wie umfassend: In den vergangenen 30 Jahren war er Delegierter der Ärztekammer Berlin, gehörte dem Kammervorstand an, war Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin und später deren 1. Vorsitzender, er war im Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und zeitweise auch deren 1. Vorsitzender. In dieser Zeit hat Manfred Richter-Reichhelm zahlreiche berufspolitische Erfolge erzielt, unter anderem die Zusammenführung der Ost- und West-Berliner Ärzte, die Beseitigung der Arzneimittel-Kollektivhaftung, die Durchsetzung des Wohnortprinzips in der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Einführung der KVB-Qualitätsberichte, die das Leistungsspektrum der niedergelassenen Ärzte transparent machen. Darüber hinaus setzte er sich für die Aufarbeitung der Geschichte der jüdischen Kassenärzte während des NS-Regimes ein.

2010

PD Dr. med. Maria Birnbaum

Maria Birnbaum engagiert sich seit 1990 in der Ärztekammer Berlin und wurde bereits kurz nach der Wende Ausschuss-Vorsitzende des Internistischen Weiterbildungsausschusses, dem sie 18 Jahre vorstand. Darüber hinaus war sie viele Jahre Mitglied der Delegiertenversammlung sowie zwölf Jahre Mitglied der Wirtschaftskommission der Ärztekammer Berlin. Seit 2010 ist sie Vorsitzende der Kommission für Organspende von Berlin-Brandenburg. Darüber hinaus war und ist Maria Birnbaum in vielen Gremien vertreten. Weiterhin hat sie rund hundert Veröffentlichungen und Monografien publiziert und zirka 200 Vorträge gehalten. Außerdem betreute sie Promovierende und war in der Lehre aktiv. 

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Reinhard Kurth (†)

Die Berliner Ärzt:innenschaft ehrt mit Reinhard Kurth einen Arzt, Wissenschaftler und vorbildlichen Behördenleiter. Nach seiner Habilitation im Jahre 1976 an der Universität Tübingen verschlug es Kurth 1980 in die Abteilung Virologie des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Nur sechs Jahre später übernahm er dort das Amt des Präsidenten und behielt es bis 2001 inne. Während der letzten fünf Jahre seiner Tätigkeit am PEI war er bereits kommissarischer Leiter und dann ab 2001 bis zu seiner Emeritierung 2008 Präsident des Robert Koch-Institutes. Im Laufe seiner Karriere hat Reinhard Kurth in großer Offenheit, wissenschaftlicher Genauigkeit, Ausdauer und Wertschätzung das Fach der Virologie vorangebracht.

2009

Prof. Dr. med. Isolde Flemming

Zu DDR-Zeiten beschäftigte sich Isolde Flemming an der Charité mit der Feststellung des Hirntodzeitpunktes im Rahmen der Transplantationsmedizin. Die von ihr vertretenen internationalen Kriterien kollidierten allerdings mit den damals vorgegebenen Methoden der DDR. Da sie ihre medizinisch-wissenschaftliche Überzeugung auch in ihrer 1979 vorgelegten Habilitationsschrift verteidigte, geriet sie mit der Staatsmacht in Konflikt. Ihre Arbeit wurde von den parteitreuen Gutachtern abgelehnt. Trotz massiven Drucks blieb Isolde Flemming jedoch bei ihrer Überzeugung und musste deshalb persönliche Anfeindungen sowie das Ende ihrer Karriere hinnehmen.

Prof. Dr. med. Jürgen Hammerstein

Als Endokrinologe ist Jürgen Hammerstein über die Grenzen Berlins hinaus anerkannt. Ab 1969 leitete er am Universitätsklinikum Steglitz eine selbstständige Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie. Zu dieser Zeit gab es nur drei solcher Abteilungen in Deutschland. Hammerstein war und ist Mitglied in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien, so u. a. Präsident der Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. Besonders verdient um die ärztliche Fortbildung machte sich Hammerstein ab 1990 als Geschäftsführer der „Kaiserin-Friedrich-Stiftung für ärztliche Fortbildung“, die er bis Anfang 2009 erfolgreich leitete. Die Rückübertragung des Stiftungshauses am Robert-Koch-Platz ist größtenteils seinem Engagement zu verdanken.

2008

Prof. Dr. med. Werner Schlungbaum (†)

Der langjährige Chefarzt der Radiologie und Ärztlicher Leiter des Krankenhauses Spandau, Werner Schlungbaum, erhielt die Medaille für sein großes Engagement in der ärztlichen Selbstverwaltung. Von 1975 bis 1999 war er Mitglied der Delegiertenversammlung der Ärztekammer Berlin, von 1984 bis 1987 als Vizepräsident an der Seite von Dr. med. Peter Krein. Eine wichtige Rolle spielt der Radiologe, Nuklearmediziner und Internist auch als Kuratoriumsmitglied der Kaiserin-Friedrich-Stiftung für ärztliche Fortbildung. Deren bekanntes „Symposium für Juristen und Ärzte“ hat er maßgeblich entwickelt und über Jahrzehnte inhaltlich gestaltet.

2007

Dr. med. Thea Schirop (†)

Thea Schirop hat sich in hohem Maße um die Patient:innenversorgung in Berlin verdient gemacht. Neben der Intensivmedizin hängt ein großer Teil ihres Herzens an der Ernährungsmedizin. Dank ihres Engagements war Berlin 2007 eines von zwei Bundesländern, das die Zusatz-Weiterbildung Ernährungsmedizin angeboten hat.

Andrew Herxheimer MD FRCP (†)

Der in Berlin geborene Andrew Herxheimer hat 1962 in London das weltweit erste unabhängige Arzneimittelinformationsblatt „Drugs and Therapeutics Bulletin“ gegründet. Diese Idee einer unabhängigen Arzneimittelinformation brachte er später mit nach Berlin, wo er in den 60er-Jahren den „Arzneimittelbrief“ gründete. Zur Verbesserung der Qualität medizinischer Informationen rief zudem 1986 die internationale Gesellschaft der unabhängigen Arzneimittelzeitschriften (International Society of Drug Bulletins, ISDB) ins Leben.

Dr. med. Hans-Herbert Wegener

Hans-Herbert Wegener hat als ärztlicher Leiter des Krankenhauses Moabit wichtige Weichen bei der baulichen und strukturellen Aufstellung der Klinik gestellt. Er war jahrzehntelang als Delegierter der Ärztekammer Berlin tätig und hat dabei immer versucht, Konsens über Partei- und Listengrenzen hinaus zu erreichen. Dieses verbindende Element hat ihn auch bei der Gründung der Deutsch-Baltischen Ärztegesellschaft geleitet, mit der er bis heute viel für die Völkerverständigung getan hat.