Gefahr für Leib und Leben: Berliner Ärzt:innen für bundesweites Böllerverbot

Pressemitteilung

Allein in Berlin werden jedes Jahr zu Silvester Dutzende Menschen durch privates Feuerwerk, sogenannte „Böller“, zum Teil schwer verletzt oder sogar dauerhaft verstümmelt. Unter den Opfern sind auch viele Kinder. Hinzu kommen die Folgen für die Umwelt, eine starke Belastung des medizinischen Personals in den Notaufnahmen und Angriffe auf Einsatz- und Rettungskräfte. Die Ärztekammer Berlin fordert daher, ein bundesweites Böllerverbot einzuführen.

„Eine Tradition, bei der wir von vornherein wissen, dass sie wieder zu zahlreichen Verletzten oder sogar Toten führen wird, sollte dringend überdacht werden“, erklärt PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin. „Insbesondere aus ärztlicher Sicht ist so etwas nicht hinnehmbar. Silvester muss endlich wieder ein friedliches und sicheres Fest für alle werden.“

Allein im BG Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) wurden in der Silvesternacht 2025/2026 über 30 Personen mit Böllerverletzungen behandelt, darunter auch mehrere schwerverletzte Kinder. In den Tagen danach wurden weitere 25 Hand- und Brandverletzte ins ukb zur plastisch-chirurgischen Versorgung verlegt. Einige der Patient:innen haben Finger verloren oder dauerhafte Augenschäden erlitten. Laut der Deutschen Umwelthilfe sind rund 40 Prozent der Opfer von Augenverletzungen an Silvester Kinder und Jugendliche. Viele Betroffene werden ihr Leben lang an den Folgen leiden. Die Ärztekammer Berlin fordert daher die Einführung eines bundesweiten Verbotes von privatem Feuerwerk. 

Viele Menschen unterschätzen die Wucht der Explosionen. „Neben Hand- und Augenverletzungen sind auch Knall-Traumata häufig“, betont Dr. med. Kathleen Chaoui, Vizepräsidentin der Ärztekammer Belin. „Letztere können zu Schäden wie dauerhafter Hörminderung oder Tinnitus führen“, so die HNO-Ärztin.

Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte

Auch beim Jahreswechsel 2025/2026 kam es erneut zu teils erheblichen Angriffen auf Einsatz- und Rettungskräfte, insbesondere durch das Beschießen oder Bewerfen mit pyrotechnischen Gegenständen. Über 30 Polizeikräfte wurden verletzt, davon zwei Einsatzkräfte so erheblich, dass sie stationär in Krankenhäusern aufgenommen werden mussten. Hinzu kommt die erhöhte Arbeitsbelastung des medizinischen Personals. Insgesamt 971mal mussten Krankenwagen in der vergangenen Silvesternacht ausrücken – nach Aussage der Feuerwehr ein neuer Rekord.

Zwar hat sich die Ausweitung der Verbotsbereiche für Feuerwerk als sinnvoll erwiesen. „Dies reicht jedoch nicht aus, wie die Zahlen zeigen“, so Bobbert. Berlin fordert daher schon länger eine Öffnungsklausel, die es den Bundesländern und Kommunen erlauben würde, eigenständig und umfassend Verbote für privates Silvesterfeuerwerk zu erlassen. „Auch wenn wir für ein komplettes bundesweites Böllerverbot plädieren, wäre eine Öffnungsklausel ein guter erster Schritt“, so Bobbert. Die Ärztekammer Berlin appelliert daher an die Innenminister, bei ihrer Konferenz im Dezember 2026 eine kommunale Öffnungsklausel für Silvesterfeuerwerk zu beschließen. 

Ansprechpersonen für Presseanfragen

  • PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin
  • Dr. med. Kathleen Chaoui, Vizepräsidentin der Ärztekammer Berlin

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Ole Eggert
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