Kindergesundheit in den Fokus der Politik rücken!

Pressemitteilung

Anlässlich des Weltkindertages, der in diesem Jahr am 20. September zeitgleich mit der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus stattfindet, fordert die Ärztekammer Berlin von der Politik mehr Aufmerksamkeit für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, einen gerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie die Bekämpfung von Kinderarmut.

„Das Recht auf Gesundheit gilt für alle Kinder gleichermaßen“, erklärt PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin. „Doch dieses Recht wird längst nicht mehr allen Kindern gewährt – auch nicht in Deutschland.“ 

Nach wie vor ist Kindergesundheit eng an die soziale Herkunft gekoppelt. So leiden Kinder aus einkommensschwächeren Familien deutlich häufiger unter Übergewicht und Bewegungsmangel als andere Kinder – mit allen Folgerisiken für spätere Erkrankungen. Und Kinderarmut ist längst kein Randphänomen mehr, sondern betrifft schätzungsweise jedes fünfte bis siebte Kind in Deutschland. Kindergesundheit muss daher ressortübergreifend in den Fokus der Politik gerückt werden. 

„Wir dürfen nicht am falschen Ende sparen“, warnt Dr. med. Kathleen Chaoui, Vizepräsidentin der Ärztekammer Berlin. „Insbesondere Präventionsangebote müssen weiterhin allen Kindern zur Verfügung stehen“, so die HNO-Ärztin. Doch mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz habe sich viel Unsicherheit breit gemacht. „Niedergelassene Ärzt:innen werden ihre Angebote eventuell einschränken. Viele denken sogar daran, ihre Praxen aufzugeben“, betont Chaoui.

Auch die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung ist schon seit langem ungenügend. Engpässe bei Plätzen in Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ), die für die Betreuung von Kindern mit Entwicklungsstörungen zuständig sind, verschärfen die Situation zusätzlich. Problematisch ist auch die Situation in den Notaufnahmen. Hier gibt es zu wenig Kapazitäten für Kinder, sodass viele von ihnen noch immer außerhalb einer pädiatrischen Versorgung aufgenommen und nicht adäquat behandelt werden. Aus Kostengründen bieten auch immer weniger HNO-Ärzt:innen Operationen für Kinder an und auch bei den augenärztlichen Untersuchungen von Kindern gibt es einen Mangel.

Dr. med. Laura Schaad, Kinderärztin und Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer Berlin, nahm für die Kammer am Runden Tisch „Kindergesundheit“ teil. Das Gremium, das im März 2024 von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege ins Leben gerufen wurde, hat seither an der Verbesserung für die Berliner Kindergesundheit gearbeitet. „Dieses Gremium mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kliniken, Berufs- und anderen Verbänden, Trägern sowie Schlüsselpersonen aus den Senats- und Bezirksverwaltungen hat ein großes Potential, etwas bewegen zu können. Es muss in der kommenden Legislaturperiode unbedingt fortgeführt werden, um die erarbeiteten Maßnahmen auch umzusetzen“, fordert Schaad.

„Wer heute in die Kindergesundheit investiert, legt die Basis für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Daher ist die Förderung von Kindergesundheit und die Bekämpfung von Kinderarmut eine zentrale politische Aufgabe“, so Dr. med. Susanne von der Heydt, Kinderchirurgin und Mitglied des Vorstandes der Ärztekammer Berlin. 

Die Ärztekammer Berlin hat daher in ihrem Forderungspapier zur Abgeordnetenhaus-Wahl 2026 für den Bereich der Kindergesundheit acht Forderungen aufgestellt: 

  • eine flächendeckende pädiatrische Versorgung 
  • Aufstockung der finanziellen Mittel für den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst 
  • Stärkung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung 
  • Stärkung der frühkindlichen Bildung 
  • mehr Plätze in Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) 
  • die Initiative der Hauptstadt für ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre im Bundesrat
  • mehr Investitionen in ein gesundheitsförderndes schulisches Umfeld, in dem auch Medienkompetenz und verstärkt Gesundheitskompetenzen vermittelt werden 
  • Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) an Berliner Schulen

Das Forderungspapier findet sich unter Diagnose Berlin: Impulse für eine zukunftsfeste Stadtmedizin.

Ansprechpersonen für Presseanfragen

  • PD Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin
  • Dr. med. Kathleen Chaoui, Vizepräsidentin der Ärztekammer Berlin

Die Kontaktdaten erhalten Sie auf Anfrage von der Pressestelle der Ärztekammer Berlin.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF.

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Ole Eggert
Pressesprecher
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